Am 39. Wiegenfest vom 2016er-Goldmedaillengewinner Fabian Hambüchen reckte sich der RSV Germania 03 vorbildlich. Durch ein gleichsam wichtiges und verdientes 2:1 über Ranking-Nachbar TSG Messel wurden die vorgeführten Hüftaufschwünge und Klimmzüge von den Punktrichtern mit drei immens wertvollen Zählern benotet.

 

Dank dem dritten Sieg aus den vergangenen fünf Liga-Begegnungen hat die Silhouette des Abstiegsgespenstes zumindest momentan ihre Mitgliedschaft gekündigt, was vor den anstehenden hohen Hürden gegen die tabellarischen Elite-Klubs der Kreisklasse A aus Traisa, Schneppenhausen sowie Roßdorf für sportliche Entspannung sorgt und das Selbstvertrauen belebt. 

 

Angesichts des ungemütlichen Herbstklimas, das ohne germanische Kick-Verpflichtung keinen Hund vor die Tür gejagt hätte, streiften sich die treuen Fans vor dem Törn ins heimische Fußball-Wohnzimmer ihre Neoprenanzüge über und segelten gemäß der norddeutschen Floskel „Regen ist erst, wenn die Heringe auf Augenhöhe vorbeischwimmen“ auf dem Drahtesel zum Grünen Steg.

 

Im „Vorspiel“ der Kreisliga C kopierte das Ensemble der zweiten Mannschaft die Resultate der Darmstädter Lilien respektive der Schalker Knappen und musste sich trotz langer personeller Überzahl mit einem torlosen Remis gegen den VfR Eberstadt zufrieden geben. Es war das erste Saison-Unentschieden (zuvor zehn „Dreier“ und vier Niederlagen).

 

Nach dem Anpfiff des ersten Wettstreits gegen Messel seit Mai 2014 bewirkte die Elf von Coach Ben Talib, dass sich der blau-weiße Anhang nicht wie begossene Pudel fühlen respektive Gesichter wie sieben Tage Regenwetter ziehen musste. Anders wie in der Vorwoche in Wixhausen agierten die Germanen vom Fleck weg hellwach. Vielleicht trug ja auch die von der Zeitumstellung produzierte Erhöhung des Schlaf-Quantums (plus eine Stunde) ihr Scherflein dazu bei.

 

Während den ersten beiden Dritteln der Eröffnungs-Hälfte agierte der Rasensportverein klar als Boss im eigenen Ring, musste allerdings auf eine überfällige Führung lange warten, weil entweder das Aluminium krachte (Kopfball Max Meier an die Querlatte) oder TSG-Keeper Alexander Ross im Weg stand. Dass ausgerechnet zum 107. Geburtstag von Beate Uhse der Hausherr viel zu freizügig seine Chancen verschwendete, hätte ein bekannter Vulkanier aus dem Star Trek – Universum wohl auf die Logik geschoben.

 

In der 24. Minute klingelte es dann endlich im Kasten, als Robert Botezatu die Kugel aus dem Getümmel irgendwie ins Netz murmelte. Erst danach meldeten sich auch die Gäste von der Grube zu Wort. Plötzlich stand RSV-Goalie Nikola Rehak im Fokus und rettete seinen Farben den gerechten, aber hauchdünnen Vorsprung in die Pause.

 

Im zweiten Abschnitt lieferten sich die Opponenten zunächst einen Fight mit offenem Visier, der zunächst die TSG begünstigte. Jaydon Kappeser köpfte den Ball nach einer Flanke aus dem Halbfeld völlig unbehelligt ins Ziel. Doch die Germanen ignorierten quasi den Ausgleich und suchten eine Antwort. Jeder einzelne Protagonist ließ sein Herz auf dem Platz und malochte verbissen für eine signifikante Optimum-Rendite.

 

Angefeuert von 04 der erlauchten 25000 königsblauen Supporter, die am 21. Mai 1997 den UEFA-Cup im Mailänder San Siro eroberten (zu den am Grünen Steg verwurzelten Brüdern gesellten sich Michael Nowack und Schiri-Legende Oliver Krause), riss der Platzhirsch das Heft des Handelns wieder komplett auf seine Seite und wurde ein Viertelstunde vor Feierabend belohnt, als Chef-Knipser Max Meier eine überragende Stafette mit dem 2:1-Siegtreffer krönte.

 

Dieses Guthaben wurde bis zum Kehraus verteidigt, weil man Messel im defensiven Kollektiv keine reelle Egalisierung-Möglichkeit mehr gestattete. Obwohl Petrus pünktlich zum Schlussgong wieder seine Schleusen öffnete, standen die Germanen ergo nicht im Regen, sondern duschten unter den Wolken im Bad der Menge, während die enttäuschte TSG 43 Jahre nach dem Auftritt von Udo Lindenberg im Ost-Berliner Palast der Republik wahrscheinlich am liebten mit dem Sonderzug nach Pankow geflüchtet wäre.

 

Aufstellung: Rehak, Wolf (57. Velez Gomez), Buth, Morris, Kalai, Velez Gomez (42. Tabtab), Sabbagh, Botezatu, Meier, Köroglu (87. Caruso), Rippert (80. Kaudel) 

Tore: 1:0 Botezatu 24. 1:1 Kappeser 60. 2:1 Meier 74. 

 

Zum kickenden November-Einstieg kommenden Sonntag bietet der altehrwürdige Sportplatz am Grünen Steg sowohl auf der Kreisliga C– als auch auf der Kreisliga A – Plattform jeweils eine halbe Stunde früher wie gewohnt zwei spannende Gefechte an. Während die „Zweite“ ab 12Uhr30 das tabellarische Spitzenspiel Vierter contra Dritter gegen Hellas Darmstadt II vor der Brust hat, bittet die „Erste“ unmittelbar danach den SV Traisa zum Punkte-Tanz (Anstoß 14Uhr30).

 

Obwohl noch drei Vorrunden-Partien wegen Verlegungen fehlen (werden unisono bis Ende November nachgeholt), bildet der Vergleich mit den Gästen aus dem Mühltaler Ortsteil bereits den Auftakt zur Rückserie. Seit dem Hinspiel sind gerade einmal zweieinhalb Monate ins Land gezogen. Am „roten Berg“ musste sich der Rasensportverein beim zweiten Saisoneinsatz knapp mit 1:2 geschlagen geben.