Der muffige Geruch des ersten Saison-Unentschieden lag bis in die Nachspielzeit in der Luft. Dann atmete die Mannschaft des RSV Germania 03 einmal ganz tief durch und machte „kurze Fuffzehn“ statt ein 08/15-Remis. Hauptsache Fünfzehn: Nach dem spät heraus geballerten 2:0 im nominellen Spitzenspiel des drittletzten Kreisliga B – Spieltags bei TGB Darmstadt schmückt sich der Vereinsrekord von aufeinander folgenden Siegen jetzt mit dieser Zahl. 

 

Wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist, stellte die blau-weiße Auswahl von Headcoach Ben Talib mal wieder unter Beweis. Rund vierzehn Monate sind ins Land gezogen, seit man auf dem Bessunger Sportplatz nach der sechsten Pleite in Folge (2:3) vom Abstiegsgespenst umgarnt wurde. Doch die sportlichen Schneelawinen von gestern sind längst weggetaut. Heuer grüßt der Rasensportverein dank resoluter Fortsetzung seiner schier Never Ending – Erfolgsstory wieder von der tabellarischen Sonnenseite und besitzt vor den beiden Kehraus - Partien sogar noch theoretische Aufstiegschancen. 

 

Am 80. Wiegenfest von Udo Lindenberg fuhren die germanischen Fans nicht mit dem Sonderzug nach Pankow, sondern pilgerten mit der Benzinkutsche über den Asphalt oder per Drahtesel via weißer Berg zum TGB-Ground, um ihrem kickenden Ensemle für das Ziel fünfzehnter sequenzieller „Dreier“ sämtliche Daumen zu drücken. Auf dem schwer bespielbaren Parcours wurde schnell deutlich, dass der gastgebende Ranglisten-Vierte nicht im Traum daran dachte, freiwillig den Punktelieferanten zu spielen.

 

Trotzdem bot sich den Germanen schon in der fünften Minute die ganz fette Chance für eine frühe respektive beruhigende Einnetzung. Robert Botezatu fabrizierte aus sechzehn Meter Entfernung ein „Wembley-Tor“. An der Frage, ob die Kugel bei der Landung die Linie überschritten hatte, schieden sich auf den Rängen die Geister. Anders als Gottfried Dienst 1966 stand Referee Diwich kein aserbaidschanischer Linienrichter zur Seite, weshalb er auf „No Goal“ entschied. 

 

Wenig später aktivierte der Defensiv-Verbund zu Ehren des nuschelnden Geburtstagskindes das Panik-Orchester, weshalb Keeper Nikola Rehak zwecks Rückstand-Vermeidung Kopf und Kragen riskieren musste. Bis zur Pause hielten sich beide Parteien an die ergebnistechnische Nulldiät, aber nur um im zweiten Abschnitt ein Remake des Gameshow-Klassiker „Geh aufs Ganze“ zu produzieren.

 

Während Bessungen auf die Konter-Taktik baute und einige brandgefährliche Situationen vor dem RSV-Kasten herauf beschwörte, ging der Rasensportverein nach dem Motto Sekt oder Selters „all in“, aber vor allem Max Meier klebte in der regulären Spielzeit das Abschluss-Pech an den Stiefeln. Erst als der Unparteiische die Aftertime avisierte, wurde es dem germanischen Vollstreckungs-Garanten zu bunt und er veröffentlichte die zuversichtliche Parole: „Ich mach mein Ding“.

 

Seine persönliche Honky-Tonk – Show startete mit dem erlösenden 1:0. Nach einem weiten Pass behielt Meier alleine vor dem gegnerischen Kasten die Nerven und versenkte zum 54. Mal in dieser Saison das Runde ins Eckige. Dem Befreiungsschlag folgten einige Zitter-Momente, zu denen der plötzlich stürmende TGB-Keeper Massimilano Comes seinen Teil beisteuerte. 

 

Aber Meier hatte noch ein Glanzstück in petto, tanzte an der Grundlinie vier Rudi Ratlos -Opponenten schwindlig und bediente Markus Laston. Dessen Schuss wehrte Comes vor die Füße des Sekunden zuvor eingewechselten Kevin Caruso ab und dieser ließ sich nicht zweimal bitten, um seiner Joker-Rolle gerecht zu werden, indem er mit der finalen Match-Aktion die Kugel zum umjubelten 2:0 in die Maschen zimmerte. Damit war endgültig alles klar auf der Andrea Doria (abschließende Plünderung der Lindenberg-Jukebox). 

 

Aufstellung: Rehak, Sabbagh, Buth, Wolf, Morris, Botezatu, Kalai, Velez Gomez, Meier, Köroglu (90. + 5 Caruso), Rippert (46. Laston) 

Tore: 0:1 Meier 90. + 2 0:2 Caruso 90. + 7

 

Die Saison-Vorschlussrunde von beiden germanischen Teams findet gesplittet bereits unter der Woche zu Hause statt, ehe am 31. Mai hier wie da der auswärtige Showdown auf der Agenda steht. Jeweils ab 19Uhr30 kann das blau-weiße Fan-Volk ein letztes Mal vor den Sommerferien im heimischen Fußball-Wohnzimmer die „Zweite“ nach dem ehrenwerten 3:3 beim FC Ober-Ramstadt II am Dienstagabend gegen Kreisliga C-Schlusslicht TSG Messel II sowie die „Erste“ am Donnerstagabend (21.05.) gegen Sturm Darmstadt akustisch nach vorne peitschen.

 

Mit einem 5:2 in Hinspiel beim FC Sturm verfasste der Rasensportverein Anfang November 2025 den Prolog seines inzwischen fünfzehn Nonstop-Episoden umringenden Sieg-Bestsellers. Aufgrund der überwältigenden Resonanz möchte die B-Klassen-Elf noch nicht an den Epilog denken und stattdessen Erfolgskapitel Nummer Sechzehn protokollieren.