Elf Freunde müsst ihr sein, um Siege zu erringen“ glitzerte einst auf der „Victoria“, der einstigen deutschen Meister-Trophäe. Der RSV Germania 03 modernisierte nach dem 2:1-Triumph im Kreisliga B – Spitzenspiel beim SV St. Stephan II den altgedienten Kalauer und schrieb auf seine Fahne: „Elf Siege hintereinander müsste ihr erringen, um das Aufstiegsrennen eventuell doch noch einmal scharf zu würzen“.

 

Dank des neuerlichen Paukenschlags glückte dem Ensemble von Coach Ben Talib binnen einer Woche die Revanche-Komplettierung für die beiden Vorrunden-Pleiten gegen das Topp-Tandem. Nach dem 4:2 über Primus FSV Schneppenhausen kaufte man dem zweitplatzierten Ranking-Team ebenfalls den Schneid ab. 

 

Die für B-Klassen-Verhältnisse großartige Kulisse durfte sich auf dem Kunstrasen im Griesheimer Stadtteil an 96 Minuten hoch emotionalen Amateurfußball laben. Auch Schiedsrichter Felix Schmitz passte sich dem gehobenen Niveau nahtlos an und traf bei sämtlichen brenzligen Situationen prinzipiell immer die korrekte Entscheidung. 

 

Nach den handelsüblichen Respekt-Kundgebungen zu Beginn des rassigen Duells kam der Hausherr als erste Fraktion in die Pötte. 120 Sekunden nachdem Jaden Brinzing mit seinem Hochkaräter noch in RSV-Keeper Nikola Rehak seinen Meister fand, staubte Leander Nehren in Folge eines zuvor an die Latte krachenden Abschlusses zur frühen SVS-Führung ab. 

 

Doch die Germania ließ sich von diesem Dämpfer nicht den Boden unter den Füßen wegziehen und drahtete leicht verspätet ihr Antwort-Telegramm ab. Ein Freistoß-Hammer von Marlon Velez Gomez flutschte durch „Freund und Feind“ durch und nach der Abwehr von Goalie respektive Spielertrainer Max Kögler drückte dessen Vornamensvetter Max Meier den Ball über die Linie. Der Ausgleich war zusätzlich nicht mehr und nicht weniger wert als der 46. Saisontreffer des „einsamen“ Liga-Torschützenkönigs.

 

Unmittelbar vor der fünfzehnminütigen Erhol-Phase malochten die Schützlinge von Ben Talib emsig für die zweite Bude. Nachdem Kögler bei der Direktabnahme von Maurice Rippert und einem Kopfball von Patrick Dommert zweimal noch den Einschlag verhindern konnte, war er kurz darauf machtlos, als Mehmet Köroglu plötzlich mutterseelenallein vor ihm auftauchte und den Gast zum psychologisch wichtigen Termin in Front ballerte.

 

Zur Pause orakelten einige erfahrene Fans zu Ehren von Frank Elstner, der parallel sein 84. Wiegenfest zelebrierte: „Wetten, dass in der zweiten Hälfte die Dramatik noch eine Schippe drauflegt“. In der Tat wanderten die Protagonisten hüben wie drüben durch ein dornenreiches Nerven-Tal. Während die Germanen per Konter-Attacken vehement nach einer Erhöhung fahndeten, drängte der zu Hause noch unbezwungene SVS genauso energisch auf eine ergebnistechnisch günstigere Ausgangsposition für die bevorstehenden Zielgeraden.

 

Der RSV verplemperte einige Gelegenheiten zum Zuschnüren des Sackes und musste deshalb am nationalen Poker-Tag kräftig um seinen wertvollen Royal Flush zittern. Primär im Feierabend-Wartezimmer wackelte der Vorsprung, aber die hingebungsvoll hin und her schnellenden Beine bewältigten ihren Job vorbildlich. Selbst als Max Kögler seiner eigentlichen Fußball-Profession zwischen den eigenen Pfosten adieu sagte und den gegnerischen Sechzehner mit seiner Präsenz bereicherte, hielt die Defensivabteilung so lange die Schotten dicht, bis der Referee mit dem befreienden Atemzug in seine Trillerpfeife den elften „Dreier“ am Stück protokollierte.

Gegentor Siebzehn und Achtzehn für die mit Abstand sattelfesteste SVS-Absicherungsriege genügten also der angereisten Mannschaft der Stunde, um dem Platzhirsch Heimniederlage Nummer Eins zuzufügen, weshalb die Germania am nächsten Spieltag einen internen Uralt-Rekord im Visier hat. Falls das sicherlich nicht als „dreckig“ zu bezeichnende Dutzend an ununterbrochenen Siegen glücken sollte, wäre die aus der Kreisoberliga-Meisterrunde 07/08 datierte Nachkriegs-Bestmarke in dieser separaten „Disziplin“ eingestellt.

Aufstellung: Rehak, Morris, Wolf, Dommert (46. Fernandez), Botezazu (26. Sabbagh, 85. Caruso), Savino (50. Hakimi), Kalai, Velez Gomez, Meier, Köroglu (61. Ibo), Rippert

Tore: 1:0 Nehren 16. 1:1 Meier 23. 1:2 Köroglu 45.

 

Nach den profitabel absolvierten Prüfungen gegen das voraus eilende Duo schaltet der Rasensportverein den zumindest nominellen Außenseiter-Modus wieder aus und empfängt am kommenden Sonntag Neuling SV Darmstadt 98 III als deutlich deklarierter Favorit. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, denn die Lilien-Fans kennen sich in den Räumlichkeiten am Grünen Steg bekanntlich bestens aus (tragen ihre Heimpartien ebenfalls auf dem Traditionsground an der Ostendstraße aus) und sind auf jeden Bonus im Kampf um den Klassenerhalt angewiesen.

 

Zwei Stunden vor dem Anstoß des „blau-weißen Derbys“ um 15Uhr eröffnet die „Zweite“ mit dem Kreisliga C – Duell gegen Germania Eberstadt II ab 13Uhr den Doppelheimspielnachmittag. Im jüngsten Match erbeutete die „Reserve“ durch das 2:2 im Lokal-Kracher bei FTG Pfungstadt II weiteres Kleinod für den Erhalt des kickenden Standortes und ist jetzt seit vier Meetings ungeschlagen.