Solch ein intensives Fußballmatch hat das altehrwürdige Kickgelände am Grünen Steg schon lange nicht mehr erlebt. Nach einer „Nettospielzeit“ von über 110 Minuten feierte der drittplatzierte RSV Germania 03 im Duell der zwei aktuell formstärksten Kreisliga B – Teams einen emotionalen 4:2-Triumph gegen Branchenführer FSV Schneppenhausen und baute seinen Erfolgslauf auf zehn Siege aus.

 

Die lautstark mitfiebernden Zuschauer wurden von Pontius bis Pilatus mit rassigen Zweikämpfen und einer perfekten Gastgebertaktik (überfallartige Konter basierend auf einer aufopferungsvollen Abwehrarbeit) verwöhnt. Die von Trainer Ben Talib ausgelotete Marschroute fruchtete bereits in der fünften Minute und förderte selbstredend sämtliche Planziele. Der Ball rutschte zu Mehmet Köroglu durch, der sich robust behauptete und FSV-Keeper Jannes Pellowski mit einem überlegten Abschluss ins lange Eck keine Parade-Chance gestattete. 

 

Den dadurch erworbenen Rückenwind nutzten die Germanen konsequent aus und begegneten dem heißen Meisterschaftsanwärter mindestens auf Augenhöhe. Allerdings rechtfertigte Schneppenhausen ab Mitte des ersten Abschnitts ebenfalls sein Potenzial, weshalb sich der Ausgleich keineswegs aus dem berühmten „Nichts“ an die Oberfläche beamte. Arthur Boaventura Souza krönte einen gelungen Schachzug und zimmerte die Pille unter das Dach. 

 

Wer jedoch in Erwägung zog, dass der Platzhirsch vom Favoriten jetzt die Leviten gelesen bekommt, der hatte die Rechnung ohne den heimischen Wirt gemacht. Knappe 120 Sekunden nach dem Dämpfer tankte sich Max Meier am linken Flügel durch und erspähte per Adlerauge den besser postierten Markus Laston, der die glänzende Vorleistung zur neuerlichen Führung veredelte und Platzsturm Nummer Eins der Fans verursachte, was den Schiedsrichter auf die sprichwörtliche Palme brachte und ihn zu einer verständlichen Extra-Time bewegte.

 

Aufgrund vieler diverser Unterbrechungen inklusive RudelBildungen wurde ergo bereits die erste Hälfte um rund zehn Minuten verlängert. Die Germanen profitierten von dieser Zugabe. Max Meiers Torjäger-Näschen roch, dass ein Befreiungsschlag zu ihm durch kullern würde, woraufhin der Chefknipser Schlussmann Pellowski austrickste und schon vor dem Verwerten ins verwaiste Gehäuse zur Verbuchung seines 45. Saisontreffers die Hände hochreißen durfte.

 

Nach dem Seitenwechsel verbarrikadierte sich der RSV mehr oder weniger, aber die Auswahl aus dem Weiterstädter Stadtteil konnte mit der optischen Dominanz wenig anfangen. Erst ein direkt verwandelter Freistoß des nach Max Meier zweitbesten Kreisliga B – Goalgetters Emre Arslanparcasi transportierte wieder die Drehbücher von Alfred Hitchcock ins Geschäft.

 

Ben Talib kostete sein komplettes Austauschkontingent aus. Die frischen Kräfte warfen sich im Verbund mit dem durchkickenden Personal in jeden Schuss und wenn die Kugel doch die Festung durchbohrte, war auf Torwart Nikola Rehak Verlass. Prinzipiell nur einmal musste der RSV die Gunst Fortunas bemühen, als ein Distanzhammer von Philip Grall den Pfosten küsste.

 

In der wiederum üppigen Nachspielzeit entlarvte sich Max Meier erneut als Avantgardist für die endgültige Entscheidung. Nach seiner Wegbereitung musste Justin Daum den ledernen Hauptdarsteller nur noch über die Linie drücken, was selbstredend den x-ten sprich ultimativen Platzsturm des euphorisierten Anhangs implizierte. Nach einem finalen Boxenstopp segnete der Referee den Überlängen-Thriller endlich ab und die Party an der Ostendstraße konnte Fahrt aufnehmen. 

 

Der Klassenprimus ging damit nach zehn Auswärts-Dreiern erstmals in der Fremde leer aus und kassierte nach einem Dutzend Siegen hintereinander die erst zweite saisonale Ergebnis-Pleite, was höchstwahrscheinlich die Beförderung Richtung Kreisliga A aber nicht gefährden wird. So ähnlich ordnete es auch Klub-Legende Torsten Schambach (mit 492 Punktspielen Rekordspieler) ein, der als heutiger FSV-Tausendsassa wie früher den Nachmittag als abschließender Gast an der germanischen Tränke ausklingen ließ. 

 

Derweil kann die Mannschaft von Ben Talib mit Fug und Recht stolz sein, dass man dank dem durchaus verdienten Coup Schneppenhausen ein Bein stellen und die eigene Positiv-Serie forsetzen konnte (jetzt zehn Siege am Stück).

 

Aufstellung: Rehak, Morris, Wolf, Dommert (70. Merzak), Kalai, Fernandes (40. Sabbagh), Velez Gomez, Meier, Köroglu (67. Al Hadid), Rippert (78. Caruso), Laston (52. Daum)

Tore: 1:0 Köroglu 5. 1:1 Boaventura 35. 2:1 Laston 37. 3:1 Meier 45. + 9, 3:2 E. Arslanparcasi 61. 4:2 Daum 90. + 10

Besonderes: Gelb-Rot Laston 90. + 10 plus dreizehn gelbe Karten

 

Nach dem Spitzenspiel ist vor dem Spitzenspiel: Am kommenden Sonntag werden die Germanen beim SV St. Stephan II binnen einer Woche vom zweiten Team gefordert, das in der Tabelle besser positioniert ist und den Aufstieg im Visier hat. Das Prunkstück des Gastgebers stellt zweifellos die bärenstarke Defensivabteilung dar (lediglich 16 Gegentore nach 23 Partien).

 

Da muss die germanische Offensiv-Maschinerie schon reibungslos funktionieren, um dieses Bollwerk zu knacken. Analog zur erneuten Herkulesaufgabe der „Ersten“ bestreitet die „Zweite“ nach dem viel Luft verschaffendem zweiten Sieg am Stück (5:1 gegen Croatia Griesheim II) das reizvolle Kreisliga C – Derby bei der Freien Turngemeinde. Sowohl im Griesheimer Stadtteil als auch im Pfungstädter Süden ertönt der Anpfiff um 13Uhr.