Für beide Teams des RSV Germania 03 trat an Allerheiligen statt dem in manchen Bundesländern handelsüblichen Tanz-Verbot eine Punkte-Prohibition in Kraft. Primär die „Erste“ musste sich ärgern, nach aufopferungsvollem Kampf gegen das tabellarische Spitzenensemble SV Traisa inklusive ständig wechselnden Führungen wie schon im Hinspiel aufgrund der Lappalien-Diskrepanz von einem Treffer den Kürzeren zu ziehen (3:4).  

 

Bereits beim Kreisliga C – Vorspiel stand die „Zweite“ mit Glücksgöttin Fortuna auf Kriegsfuß und vergeigte das Verfolgerduell gegen Hellas Darmstadt II 1:4. Nach nur einem errungenen Zähler aus den jüngsten drei Begegnungen ist der Abrutsch auf die fünfte Hierarchie-Sprosse leidiger Fakt. 

 

Im anschließenden A-Klassen – Clinch veröffentlichten beide Fraktionen 24 Stunden nach dem Reformationstag rund 500 Kilometer von Wittenberg entfernt ad hoc 95 Thesen, dass an diesem Nachmittag die Gier nach Tor-Einschweißungen absolute Priorität genießt. Anscheinend schnippte der wenige Tage zuvor in den Nexus abberufene Sir Patrick Stewart alias Captain Jean-Luc Picard auf seinem Kommando-Sessel der Enterprise NCC-1701-D noch einmal imaginär den Zeigefinger und verordnete Energie. Hüben wie drüben beherzigten die Angriffsreihen den Kult-Befehl und machten es so. 

 

Nach gut zwanzig Minuten mündete der anfängliche Zickzack-Kurs in einem turbulenten 2:2. Goalgetter Max Meier eröffnete den Reigen und vollendete ein überlegtes Zuspiel von Mehmet Köroglu. Traisa konterte per Doppelschlag und wendete ergo zunächst das Blatt, ehe sich Meier zur Vollstreckung eines Handelfmeters das runde Leder schnappte und mit seinem Augenkontakt TSG-Keeper Hans Affeldt souverän ausbaldowerte. Sogar ein 3:3 oder 4:4 wäre im Verlauf dieser Exzitation-Phase möglich gewesen. 

 

Erst peu á peu beruhigten sich die Gemüter, bis Paul Wolf kurz vor der Halbzeit nach einer Ecke von Marlon Velez Gomez per Kopf seinen Farben die 3:2-Pausenvorlage bescherte. Auch im zweiten Abschnitt dachten RSV und SVT trotz des 129. Geburtstages einer alten Turiner Dame namens Juventus nicht einmal im Traum daran, den Catennacio anzurühren. Die Achterbahnfahrt kam in der ersten Viertelstunde des finalen Durchgangs den Gästen entgegen, weil sie ihren erneuten Rückstand zum zweiten Mal in ein eigenes Guthaben ummünzten. 

 

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass zwischen den Dämpfern Köroglu einen „Hundertprozenter“ zum eigentlich fälligen 3:3 versemmelte (Luftloch zwei Meter vor dem Kasten) und die Germanen neben Traisa mit dem hartnäckigen Verletzungsfluch eine weitere Herausforderung meistern mussten. Stamm-Goalie Nikola Rehak fiel schon vor dem Anstoß aus, weshalb Marcel Wesp seine Saisonpremiere im A-Liga – Kasten feierte. Eine Viertelstunde vor Ultimo humpelten die Leistungsträger Lashun Morris und Max Meier angeschlagen vom Feld. Ein wenig länger biss Nicklas Buth auf die Zähne. Der kickende Eckpfeiler ignorierte  wie weiland Kaiser Franz beim WM-Halbfinale 1970 in Mexiko gegen die Squadra Azzurra eine Schulter-Blessur und trottete sichtlich angeknockt über den Kunstrasen. 

 

Coach Ben Talib kompensierte den Aderlass anhand Aktivierung von zwei 1-B-Protagonisten sowie dem lange fehlenden Ali Al Hadid. Das „Ersatz“- Personal erledigte seine Prüfungen hervorragend und war kräftig involviert, dass man bis zum definitiven Kehraus an der Ausgleichs-Lunte roch. Es ergaben sich auch noch drei gutklassige Chancen, doch das Pendel schlug nicht mehr pro Rasensportverein aus. 

 

Ungeachtet des Ergebnis-Rückschlags mussten die Germanen zum 83. Wiegenfest von Schlager-Barde Salvatore Adamo keine Träne auf Reisen schicken. Im Gegenteil: 177 Jahre nach der im Königreich Bayern herausgegebenen ersten deutschen Briefmarke verdiente sich der RSV ob seiner kollektiven Performance den „schwarzen Einser“. Weltraum-Philosoph Jean-Luc Picard hätte die blau-weiße Inszenierung wie folgt eingeordnet: „Eine Mannschaft wird nicht durch Niederlagen definiert, sondern dadurch, wie man ihnen begegnet.“ 

 

Aufstellung: Wesp, Wolf, Buth (82. Meier), Morris (75. Al Hadid), Kalai, Velez Gomez, Sabbagh, Botezatu, Meier (75. Frih), Köroglu (87. Kaudel), Rippert (70. Pinheiro Costa)

Tore: 1:0 Meier 3. 1:1 Rau 7. 1:2 Dettelbacher 16. 2:2 Meier 19. HE 3:2 Wolf 45. 3:3 Schuster 51. 3:4 Hoffmann 63.

 

Nach jeweils zwei Heimspielen hintereinander atmen beide Germania-Mannschaften am kommenden Sonntag wieder auswärtige Luft. Die blau-weißen Allesfahrer müssen sich für ein Ausflugsziel entscheiden, weil das Kick-off - Signal parallel um 14Uhr30 ertönt: Entweder beim SV Rohrbach (Kreisliga C) oder beim FSV Schneppenhausen (Kreisliga A). Während die „Zweite“ vom tabellarischen Standpunkt einen lösbaren Job vor der Brust hat, gleicht das Aufgaben-Profil der „Ersten“ einer Mission Impossible. 

 

Höher als auf dem Sportplatz „An der Trift“ können die sportlichen Trauben nicht hängen. Der mit südamerikanischen Importen gespickte Kader des Mitaufsteigers wirbelt dank einer Optimum-Bilanz von zehn Siegen aus zehn Partien das Establishment durcheinander und hat sich vor dem 27. Punktspielduell seit 2006 gegen den vom Grünen Steg anrollenden Dauerrivalen einen Durchmarsch in Siebenmeilenstiefeln Richtung Kreisoberliga-Comeback ans Revers geheftet.